Lager für italienische Kriegsgefangene in Sebaldsbrück

1. Juni 1943
Vahrer Str. 197, Bremen-Vahr

Fast an der Ecke Vahrer Straße und Ludwig-Roselius-Allee befand sich von November 1943 bis Mai 1944 ein bewachtes Lager für italienische Kriegsgefangene.
Wie kam es zu der Einrichtung dieses Lagers, schließlich war das faschistische Italien bis September 1943, gemeinsam mit Japan, Achsenverbündeter Nazi-Deutschlands? Als den alliierten Truppen die Invasion von Süd-Italien gelang, wurde dessen Staats- und Parteichef Mussolini inhaftiert. Der ehem. Marschall Pietro Badoglio übernahm die Regierungsgeschäfte und kündigte den Achsenbund mit Hitler auf. Am 8. Oktober 1943 erklärte er Deutschland sogar den Krieg. Daraufhin wurden in Nord-Italien sowie in anderen besetzten Gebieten, wie beispielsweise Griechenland, die Soldaten des bisherigen Verbündeten von der deutschen Wehrmacht inhaftiert. Sie wurden nach Deutschland gebracht, um hier Zwangsarbeit zu leisten. Letzteres übrigens ein Verstoß gegen die Genfer Konvention.

In Bremen wurden die italienischen Kriegsgefangenen als Militärinternierte in unterschiedlichen Lagern untergebracht. Das Lager an der Vahrer Straße bot sich an, weil hier bereits vor der Kapitulation von Italien bis zu 800 Zivilarbeiter aus diesem Land untergebracht waren. Sie wurden beim Bau von Bunkern für die Zivilbevölkerung eingesetzt. Sie erhielten Lohn und unterlagen der Sozialversicherungspflicht. In diesem sog. Gemeinschaftslager der Deutschen Arbeitsfront (DAF) waren neben italienischen Zivilarbeitern auch zeitweise ausländische Arbeitskräfte, die bei Borgward eingesetzt waren, untergebracht. Auch Ostarbeiterinnen (Ukrainerinnen) lebten im Lager.

In der Nacht vom 31.7. zum 1.8.1943 wurde das Lager mit 500 evakuierten Franzosen aus Hamburg belegt. Im August 1944 wurde die Belegung des Lagers mit 500 bis 800 weiblichen KZ-Häftlingen angekündigt.

Im Juni 1943 wurde das Hochbauamt damit beauftragt, Vorbereitungen für die Herrichtung (Umwandlung) des Gemeinschaftslagers in ein Kriegsgefangenenlager zu treffen.
Das Kriegsgefangenenlager sollte von der Wehrmacht überwacht werden. Hierbei handelte es sich um die Landesschützenkompagnie 679.
Die italienischen Kriegsgefangenen wurden zum Bau- und Arbeitsbataillon 196 zusammengefasst. Dieses wurde unter der Regie des Senators für Bauwesen ebenfalls zum Bau von Bunkern eingesetzt. Ebenso wurden diese Arbeitskräfte auch bei privaten Baufirmen für die Beseitigung von Bombenschäden, u.a. der Wiederherstellung der Kanalisation, verwendet.
Im November 1943 wurde die Belegschaft des Lagers mit 800 Personen angegeben. Im Mai 1944 rückte das Bau- und Arbeitsbataillon vom Lager Vahrer Straße ab. Die 4. Kompanie des Bataillons (ca. 200 Kriegsgefangene) wurde nach Bremen-Blumenthal (Haus Blomendal) verlegt. Aus dem Kriegsgefangenenlager wurde jetzt wieder ein DAF-Gemeinschaftslager, in dem u.a. die Familien von kollaborierenden ukrainischen Wachmannschaften untergebracht waren.

Bereits im Dezember 1940 forderte der Hitler Stellvertreter Martin Borrmann schriftlich von den Gemeinden im Reich die Errichtung von Bordellen für die fremdvölkischen Arbeitskräfte. Hiermit sollte der „rassengesetzwidrige Geschlechtskontakt“ mit deutschen Frauen unterbunden werden. Auf Grund dieses Erlasses wurde direkt neben dem Gemeinschaftslager an der Vahrer Straße ein Bordell für Fremdarbeiter eingerichtet. Prostituierte aus Polen und Frankreich wurden hier, möglicherweise gezwungener Maßen, beschäftigt.

Nach der Befreiung Nazi-Deutschlands wurden in den verlassenen Lagerbaracken ausgebombte Bremer Familien und Flüchtlinge aus Ost-Europa untergebracht. Die letzten Baracken wurden im Jahr 1967 abgerissen. Jetzt steht auf dem Gelände des ehem. Kriegsgefangenenlagers ein großer Supermarkt.

Quellen: Der Text geht zurück auf Recherchen der Geschichtswerkstatt Sebaldsbrück. Dank an Reiner Meissner.

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