St. Petri Waisenhaus bietet wenig Schutz

Zuerst über 200 Jahre in der Innenstadt neben dem Dom gelegen, wurde das St. Petri Waisenhaus 1922 nach Osterholz verlegt. Hier nahm die Einrichtung hilfsbedürftige elternlose männliche Kinder und Jugendliche auf. Träger des Vereins war die Diakonie des St. Petri Doms in Bremen. Während der Zeit des Nationalsozialismus sollten im Heim „alle erbgesunden und rassisch […]

Selektion im Mädchenerziehungsheim „Hartmannshof“

Der „Hartmannshof“ wurde bereits 1869 als sogenannte Rettungsanstalt für Mädchen der Inneren Mission gegründet. Später übertrug man die Trägerschaft an der Verein für den Ellener Hof, doch Ende 1933 ging er in die staatliche Obhut des Jugendamtes über. Im Heim wurden Kinder und weibliche Jugendliche untergebracht. Nach der vorherrschenden Ideologie der „Volksgemeinschaft“ entwickelten die Nationalsozialisten […]

Zwangssterilisation im Mädchenwaisenhaus

Oktober 1928 wurde das ursprüngliche Bremer Waisenhaus für Mädchen der Inneren Mission aufgegeben. Die Mädchen wurden anschließend in einer Villa nebenan untergebracht. Dies betraf vor allem „leichtere Erziehungsfälle“. Die „schweren Fälle“ kamen in die anderen bremischen Mädchenheime, wie das Marthasheim, das Isenbergheim und den Hartmannshof. Jedoch durften diese als „leichtere Erziehungsfälle“ eingestuften Mädchen nicht Mitglied […]

Nazis zerstören Revolutionsdenkmal auf dem Waller Friedhof

Ohne lange zu zögern machten sich die Nazis nach der Machtübergabe am 30. Januar 1933 an die Zerschlagung des politischen Widerstandes der Arbeiterbewegung und deren kulturellen Symbole. So waren neben den ebenfalls von Bernhard Hoetger geschaffenen Plastiken am ehemaligen Gewerkschaftshaus (heute Volkshaus/d. A.) auch das Ehrenmal für die gefallenen Verteidiger der Bremer Räterepublik auf dem […]

Juden in Sebaldsbrück: geflüchtet, angekommen, abgeschoben – ermordet

Ende des 19. Jahrhunderts setzte eine Ausreisewelle der jüdischen Bevölkerung aus Polen nach Deutschland und von dort nach Übersee, insbesondere nach den USA und später nach Süd- und Mittelamerika, ein. Grund waren die in Polen erlebten Pogrome und die damalige Wirtschaftskrise. Ein Teil von ihnen blieb in Bremen. Entweder, weil sie hier Verwandte oder Arbeit […]

Zweifach verfolgt und schließlich ermordet: Mariechen Franz

Maria Franz, geb. am 21.9.1927 im ostfriesischen Riepe, wurde im Alter von 17 Jahren im KZ Ravensbrück ermordet. Als Sintezza und als angeblich „Erbkranke“ wurde sie von den Nazis verfolgt. Ihr Leidensweg bis zu ihrem gewaltsamen Tod führte sie durch diverse Einrichtungen, die zum Teil vorgaben, „Hilfeträger“ zu sein. Mariechen, wie sie genannt wurde, ist […]

Marthasheim bietet Mädchen wenig Schutz gegen „rassenhygienische Leitlinien“

Das Marthasheim wurde 1873 mit der finanziellen Hilfe Emmy Kulenkampffs in der Osterstraße 21 eingerichtet. Aus dem Verein für Innere Mission, dem Bremer Ortsverein Freundinnen junger Mädchen und der Mägdeherberge Marthasheim ging die Bahnhofsmission hervor. Bereits wenige Monate nach deren Gründung wurde eine hauptamtliche „Berufsarbeiterin“ eingestellt, die sich auf dem Bahnhof aufhielt, um den ankommenden […]

Reichskolonialtagung in Bremen

Ab 27. Mai 1938 tagten in Bremen die Mitglieder des Reichskolonialbundes in Bremen. Und am 29. Mai marschierten sie bei brühender Sonne in Reih und Glied in ihren Khaki-Uniformen auf dem Domshof. NS-Senator Otto Bernard begrüßte die Teilnehmer persönlich. Es war sicherlich kein Zufall, dass Bremen Austragungsort der RKB-Tagung war. Schließlich hatte der Bremer Kaufmann […]

Der ehrenwerte Herr L. – ein SS-Offizier unter Verdacht

Hermann Heinrich Wilhelm Lumm wurde am 2. März 1912 in Bremen geboren. Er besuchte in Bremen das Realgymnasium, das jetzige Gymnasium an der Hermann – Böse-Str. Im Mai 1938 erhielt er vom SS-Sippenamt die Erlaubnis, Selma Laue zu heiraten. Aus der Ehe gingen sechs Töchter und ein Sohn hervor. Lumm gehörte bereits als junger Mann […]

Die Thyssens – eine Pastorenfamilie im Nationalsozialismus

Begeisterung, Widerstand oder auch allmählich wachsende Erkenntnis – der Nationalsozialis­mus löste in Vereinen, Nachbarschaften, Freundeskreisen und Verwandtschaften völlig unterschiedliche Reaktionen und Diskussionen aus. Ein Beispiel für eine solche kleine Welt einer Familie ist die Bremer Pastoren-Familie Thyssen. Paul Thyssen (1865-1935), von 1904 bis 1931 Pfarrer in St. Stephani, war ein überzeugter Nationalsozialist. Seine fünf Söhne […]